Wenn ich Eltern in der Folgeschwangerschaft nach einem Sternenkind begleite, dann ist ein sehr häufiges Thema die Angst. Sie kann eine recht dominante Mitspielerin in der Runde der Trauergefühle sein und wird auch belastend empfunden. Da ist die Angst, „dass das noch mal passiert“,, „dass wir nie wieder glücklich sein werden“, „dass ich auch andere geliebte Menschen verlieren könnte“…
Die Angst lässt die Gedanken kreisen und kommt oft von einem Gedankenfetzen zum nächsten und schaukelt sich hoch, bis wir am Ende das Gefühl haben, komplett von ihr umgeben zu sein. Manchmal lohnt es sich dann, sie einfach genauer anzuschauen und die Gedanken vielleicht mal zu Ende zu denken. Oft schickt uns die Angst in die Zukunft oder in die Vergangenheit und ganz weit weg von dem Moment und der Situation, in der wir gerade sind. Dann ist es gut, eben ganz bewusst wieder in den Moment zurückzukehren und wahrzunehmen- was ist grad eigentlich dran?
Die Angst macht uns aber auch auf Dinge aufmerksam – sie ist auch eine hilfreiche Ratgeberin, wenn wir ihr zuhören. Es lohnt sich, sie nicht wegzuschieben, sonst wird sie eher größer, sondern ihr Aufmerksamkeit zu schenken. „Was, wenn es noch mal passiert?“ – hier wäre eine mögliche Aufmerksamkeit, zu fragen, ob wir gerade etwas tun können, z.B. müssen wir ganz praktisch noch Untersuchungen durchführen lassen oder haben wir noch offene Fragen an Ärztin oder Hebammen? Dann lohnt es sich, diese zu notieren.
In den meisten Fällen aber ist der Schluss des Gedankenstrangs: ich kann gerade nichts weiter tun. Und dann ist es gut etwas zu sagen wie: „Danke Angst, dass du vorbeigeschaut hast, aber ich kann grade nicht mehr tun. Du darfst dich beruhigen. Es ist nichts zu tun.“
